Freitag, 27. November 2020

Christoph Dransmann: Meinungsbildungsprozess Wiesentalweg

Foto: CDU Gemeindeverband Hagen a.T.W. Foto: CDU Gemeindeverband Hagen a.T.W.

Einen Beitrag unseres 1. Vorsitzenden zum Bebauungsplan 195 – Wiesentalweg finden Sie im nachfolgenden Text oder über diesen Download-Link:

PDF-Download: Meinungsbildungsprozess_Wiesentalweg.pdf

Weitere Informationen zu diesem Thema sind
- dem Redebeitrag des Fraktionsvorsitzenden in der Rubrik „Aus der Ratsfraktion“,
- dem NOZ-Artikel vom 25.11.2020 in der Rubrik „Aktuelles“ und
- unserer Zeitschrift „Gemeinde im Wandel – Wohnen und Leben in Hagen a.T.W.“ (Ausgabe Dezember 2018) im orange unterlegten Bereich der Startseite zu entnehmen.

 

Bebauungsplan 195 - Wiesentalweg

Der Meinungsbildungsprozess zur Ausweisung von sieben zusätzlichen Baugrundstücken am Wiesentalweg war auch innerhalb der CDU-Fraktion im Hagener Gemeinderat kein einfacher. Um unsere letztlich mehrheitlich getroffene Entscheidung zugunsten der Bauplätze zu verdeutlichen, seien die Beweggründe an dieser Stelle kurz dargestellt.

Zwei Dinge seien dem vorangestellt:
1. Der jetzt gefasste Beschluss gehört für mich als Vorsitzenden der Hagener CDU zu den (gut begründbaren) Kompromissen, die manchmal auch in der Kommunalpolitik getroffen werden müssen, nachdem unterschiedliche, für sich genommen berechtigte Faktoren gegeneinander abgewogen wurden.
2. Hätten wir ein Baugebiet nach unseren Wunschvorstellungen "auf der grünen Wiese" planen dürfen, sähe dies in Hinblick auf Topografie und Lage bestimmt anders aus.

Fakt ist, dass die Gemeinde Hagen derzeit und auch mittelfristig über keinerlei Bauerwartungsland verfügt. Nach derzeitigem Stand scheinen die Flächen der Fam. Konersmann (Johann-Spratte-Weg) vorerst das letzte Baugebiet gewesen zu sein, auf dem auf einen Schlag rd. 20 Neubauten entstehen können. Weitere Flächen sind derzeit nicht zu bekommen: Zum einen, weil die besitzenden Landwirte diese nicht abgeben wollen bzw. aus wirtschaftlichen Gründen auch gar nicht abgeben können, wenn sie ihren landwirtschaftlichen Betrieb weiterführen wollen. Darüber hinaus kommen wir aufgrund der Tallage Hagens auch topgrafisch an Grenzen, was die Ausweisung neuer Baugebiete angeht. Auch die Argumentation der SPD, es müsse doch weitere Baulücken, große Grundstücke für das Bauen in zweiter Reihe und andere Möglichkeiten im Bestand geben, die sich zur Nachverdichtung eignen, ist trügerisch bzw. suggeriert falsche Tatsachen. Theoretisch gäbe es entsprechende Möglichkeiten an der einen oder anderen Stelle im Gemeindegebiet. Bislang scheitern diese aber häufig an der notwendigen Bereitschaft der Eigentümer oder der Zustimmung der Nachbarschaft. Dort, wo sich in der Vergangenheit Möglichkeiten ergaben (z.B. im Tiefen Garten, Zum Ellenberg, Zum Jägerberg) haben wir entsprechende Satzungsbeschlüsse gefasst, um eine Nachverdichtung zu ermöglichen.

Die zuständigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hagener Verwaltung, allen voran Bürgermeister Gausmann und 1. Gemeinderat Hestermeyer, sind stetig unterwegs, wenn es um das Ausloten neuer Baumöglichkeiten geht. Jedem Gerücht wird nachgegangen, nicht selten folgen viele Gespräche mit Flächenbesitzern, leider nicht immer mit dem erhofften Erfolg, u.a. aus den oben genannten Gründen. Anders formuliert: Flächen, die von ihren Besitzern zur Bebauung abgegeben werden wollen und von denen die Gemeinde nichts weiß, gibt es nicht.

Nachverdichtung ist mein nächstes Stichwort: Neben der maßvollen Ausweisung neuer Baugebiete, ist die sinnvolle Nachverdichtung bestehender
Siedlungsstrukturen seit jeher erklärtes Ziel und inhaltlicher Programmpunkt der Hagener CDU. Zuletzt haben wir das als Partei 2018 in unserer Ausgabe der „Gemeinde im Wandel“ (S. 3) deutlich gemacht, die Sie hier einsehen können: GiW_Dezember_2018_web.pdf (cdu-hagen-atw.de) Zu der dort geschilderten Argumentation stehen wir nach wie vor uneingeschränkt, die Planungen am Wiesentalweg folgen dieser. Wir wissen also um die begrenzten Möglichkeiten in unserer Gemeinde und hoffen auch darauf, dass es durch den demografischen Wandel sicherlich in den nächsten
10 bis 15 Jahren ein größeres Kontingent an leerstehenden Bestandsimmobilien in Hagen geben könnte. Hält der starke Zuzug von Externen (u.a. auch aus Osnabrück) aber wie zu erwarten an, ist auch diese Veränderung nur ein Tropfen auf den heißen Stein der (jungen) Hagenerinnen und Hagener, die in ihrem Heimatort ein Eigenheim suchen.

Damit ist das Spannungsfeld klar, in dem sich Rat und Verwaltung bewegen: das Bewusstsein über begrenzte und zu begrenzende Ressourcen unserer Gemeinde einerseits und den Drang von Bauwilligen (in großer Mehrheit junge Hagener Familien) andererseits. Derzeit befinden sich rd. 300 Anwärter auf der Hagener Baubewerberliste. Es ist absolut illusorisch, diese Liste jemals abarbeiten zu können, aber wir müssen maßvolle Möglichkeiten bieten. Denn letztlich trägt jede junge Hagener Familie dazu bei, dass die Strukturen in unserem Ort (Kindergärten, Schulen, Vereine, Handel und Gewerbe etc.) erhalten werden können. Und aus diesen Gründen hat sich die CDU/FDP-Mehrheitsgruppe letztlich mehrheitlich dazu entschlossen, die Bebauung am Wiesentalweg zu ermöglichen.

gez.
Christoph Dransmann